Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Unterzuckerung oder Hypoglykämie - auch Unterzucker oder einfach "Hypo" genannt - ist ein körperlicher Zustand, bei dem der Blutzuckerspiegel unter seine untere Sollgrenze von etwa 50 mg/dl (2,7 mmol/l) absinkt und besonders im Gehirn kommt es durch die Zucker-Unterversorgung zu verschiedenen Symptomen. Normalerweise ist wegen der Blutzuckerregulierung (Homöostase) eine Unterzuckerung nicht möglich und kommt sogar beim fastenden Erwachsenen nicht vor. Ursachen können sein:

Zuviel Insulin im Blut:

  • falscher Gebrauch von Insulin oder Blutzucker senkenden Diabetes-Medikamenten

  • Ausschüttung einer zu große Insulinmenge bei Magenoperierten, bei denen sich der Nahrungsbrei sturzartig in den Dünndarm ergießt (Dumping-Syndrom)

  • ein Tumor der Bauchspeicheldrüse, der Insulin produziert (Insulinom)

Die Funktion bestimmter Organe ist durch andere Erkrankungen gestört:

  • Lebererkrankungen (Störung der Zuckerneubildung)

  • Hirnanhangdrüse (Mangel an Botenstoffen)

  • Nebennierenrinde (Mangel an Stresshormonen)

  • Schwangerschaftsdiabetes (Hormonumstellung)

  • Krebserkrankungen (hoher Energieverbrauch)

Durch den Zuckermangel im Gehirn kommt es zu einer Reihe typischer Symptome, die individuell unterschiedlich empfunden werden.

Symptome der Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Ursachen der Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Therapie bei Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Zuckerentgleisung


Symptome

Bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) sinkt der Blutzucker unter einen kritischen Wert von etwa 50 mg/dl (2,7 mmol/l), weil in den meisten Fällen zuviel Insulin im Blut ist und die Wirkung zu lange anhält. Die Folge ist ein Energiemangel im Gehirn. Die Nervenzellen beziehen, im Gegensatz zu den meisten anderen Körperzellen, ihre Energie fast ausschließlich aus Zucker.
Reicht die Blutzuckerregulierung durch das Hormon Glukagon bei Diabetikern nicht aus und sinkt der Zuckerspiegel weiter, dann werden die Stresshormone Adrenalin und Cortisol von der Nebennierenrinde ausgeschüttet. Sie tragen zur Erhöhung der Blutzuckers bei, haben aber auch Nebenwirkungen und sind die ersten Anzeichen für eine Unterzuckerung, die den unteren Schwellenwert (etwa 50 mg/dl, 2,7 mmol/l) nach unten überschreitet.
Sinkt der Blutzucker weiter, dann kommt es im Gehirn zu Mangelerscheinungen, die sich als neurologische Symptome und Störungen äußern. Es kann nicht vorhergesehen werden, wie lange die Zeitspanne zwischen den ersten Anzeichen und einer Bewusstlosigkeit ist.

Symptome durch Stresshormone

Neurologische Symptome durch Zuckermangel im Gehirn

(neuroglykopenische Symptome)

Schwitzen

Konzentrationsschwäche

Herzklopfen

Verwirrtheit

Herzrasen

Denkverlangsamung

Ängstlichkeit

Sprachstörungen

Zittern

Sehstörungen

Hunger

Gleichgewichtsstörungen

Atypisches Verhalten

Allgemeine Symptome

Wesensveränderungen

Übelkeit

Psychotische oder delirante Zustände

Schwindel

Krampfanfälle

Kopfschmerzen

Bewusstseinsverlust

Die Unterzuckerung ist vermeidbar, wenn der Betroffene seine persönlichen Symptome kennt und geschult wird, sie frühzeitig zu bemerken und entsprechend zu reagieren, um die notwendige Therapie einzuleiten. Ein "Hypo-Tagebuch" für die regelmäßigen Verlaufskontrollen ist zu empfehlen, in dem die Symptome und Umstände notiert werden können.

Ursachen der Unterzuckerung
Therapie bei Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Zuckerentgleisung


Ursachen

Die Einstellung des Blutzuckers ist beim Gesunden durch die beiden Hormone Insulin und Glukagon so gut geregelt, dass eine Unterzuckerung selten eintritt und daher die Ursachen für eine zu starke Insulinwirkung in den meisten Fällen bei Diabetikern vorkommen. Nicht jeder Diabetiker erlebt eine Unterzuckerung, aber wenn sie einmal aufgetreten ist, steigt das Risiko für eine weitere Episode. Die Symptome sind individuell verschieden ausgeprägt und können sich auch im Verlauf der Zuckerkrankheit verändern.

Ursachen der Unterzuckerung beim Diabetiker

  • zu hohe Dosis an Insulin gespritzt oder insulinfreisetzenden Medikamenten eingenommen

  • zu langer Abstand zwischen Insulininjektion und Nahrungsaufnahme

  • zu wenig Kohlenhydrate bei gleicher Medikamentendosierung

  • Mahlzeiten ausgelassen

  • extreme körperliche Belastung (Sport etc.)

  • Alkoholkonsum (Durch den Alkoholabbau ist die Leber nicht in der Lage, Glucose aus der Speicherform zu mobilisieren bzw. neue Glucosereserven anzulegen.)

Um die Ursachen für eine Unterzuckerung möglichst zu vermeiden, werden entsprechende Schulungen angeboten, an denen jeder Diabetiker teilnehmen sollte, um mit seiner Krankheit besser umgehen zu können. Das Wichtige ist dabei das richtige Zusammenspiel von zuckersenkenden Medikamenten und der richtigen Ernährung.

Therapie bei Unterzuckerung (Hypoglykämie)
Zuckerentgleisung


Therapie

Die Therapie einer Unterzuckerung besteht in der Gabe von Traubenzucker. Es gilt: erst essen, dann messen. Diese einfache Weisheit sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Diabetiker ihre eigenen Symptome einer beginnenden Unterzuckerung erlernen müssen. Da wir wissen, dass ein gut eingestellter Diabetes die Folgeerkrankungen zwar nicht unbedingt vermeidet, aber zumindest erst viel später entstehen lässt, besteht die Tendenz, den Blutzucker lieber etwas niedriger zu halten. Hierin liegt die Gefahr, dass der Betroffene seine Symptome zwar erkennt, die Zeit bis zur Zuckeraufnahme aber zu lange wird und er dann durch den weiter sinkenden Blutzucker nicht mehr handlungsfähig ist und einer Bewusstlosigkeit zusteuert.

Bei ersten Anzeichen einer Unterzuckerung: Not-BE (Broteinheit)

  • erst essen, dann messen

  • 2 BE rasch wirksame Kohlenhydrate (4 Plättchen Traubenzucker = 20g)

    oder 1 Glas Obstsaft oder normale Cola (keine Diät- oder Light-Produkte)

  • zusätzlich 1 BE langsam wirkende Kohlenhydrate (z.B. ½ Scheibe Vollkornbrot)

  • körperliche Aktivitäten einstellen

Bei schwerer Unterzuckerung und Bewusstlosigkeit: Fremdhilfe erforderlich

  • Bewusstlose können nicht schlucken, daher nichts einflößen

  • Patient in stabile Seitenlage bringen

  • Notarzt rufen

  • Glucagon spritzen

Keine Panik

Die Unterzuckerung ist ein sehr ernster Zustand und sollte auch rasch beseitigt werden. Diabetiker sollten daher ihr persönliches Umfeld informieren, was wann wie zu tun ist, damit es keine bösen Überraschungen gibt. Todesfälle infolge einer schweren Unterzuckerung sind möglich, aber selten und meistens durch Unfälle im Verkehr oder an Maschinen bedingt.

Zuckerentgleisung
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Autor: Qualimedic.de 
Letzte Änderung am: 11.12.2008
 

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